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Die bar-Zahl ist bei Espressomaschinen die Zahl, die auf dem Karton am größten steht. Sie ist deshalb auch die Zahl, nach der gesucht wird — und sie beantwortet die Frage nicht, für die man sie liest. Denn gefragt ist: Mit welchem Druck presst das Gerät das Wasser durch den Kaffee? Beworben wird: Was die Pumpe höchstens kann.
Das ist kein Wortspiel. Wir haben zu allen vier Geräten unseres Vergleichs die Herstellerunterlagen ausgewertet: vier Produktseiten, zwei Gastroback-Bedienungsanleitungen (55 und 23 Seiten), Severins 104-seitige Gebrauchsanweisung zum KA 5978 und sein Datenblatt zum KA 5997. Ergebnis: Die Zahl steht bei keinem Gerät in der technischen Datentabelle, bei einem Gerät steht sie in zwei Varianten da, und bei dem einen Gerät, das den Druck tatsächlich anzeigen kann, nennt der Hersteller für den Zielbereich überhaupt keinen Wert.
Ein Gerät, zwei bar-Zahlen
Der Gastroback Design Espresso Piccolo Pro (42721) wird auf seiner Produktseite zweimal mit derselben Angabe bewerbend eingeführt — einmal in der Kopfzeile über dem Preis, einmal in der Merkmalsliste:
„Professionelle ULKA Espressopumpe (15 bar)“
Seine eigene Bedienungsanleitung sagt etwas anderes, und zwar ebenfalls zweimal. Im Hinweis zur ersten Inbetriebnahme:
„Beim ersten Betrieb des Geräts treten laute Geräusche und leichte Erschütterungen auf. Dies ist normal für eine 20bar Pumpe.“
Und im Tipp-Abschnitt weiter hinten:
„Während des Betriebs treten Geräusche auf. Dies ist normal für eine 20bar-Pumpe.“
Der englische Teil derselben PDF wiederholt es an beiden Stellen als „20bar pump“.
Das Wichtigste in Kürze
- Produktseite
- 15 bar
- Bedienungsanleitung
- 20 bar
Fünfzehn steht nur auf der Produktseite, zwanzig nur in der Anleitung. Auflösen ließe sich das über die technischen Daten der Anleitung — nur hat diese Anleitung keine. Sie umfasst 23 Seiten, davon ist die zweite Hälfte englisch, und eine Datentabelle kommt in ihr nicht vor.
Was die Zahl beschreibt — und was nicht
Beim Schwestermodell, dem Design Espresso Barista Pro (42616), lässt sich am genauesten nachlesen, was mit „15 bar“ gemeint ist. Die Zahl kommt in der Anleitung an zwei Stellen vor, eine Seite auseinander. Auf Seite 7, in den technischen Daten, steht sie nackt in einer Tabellenzeile: „Druck:“ — „15 bar“. Auf Seite 8, im Fließtext zur Arbeitsweise des Geräts, steht sie mit einem Wort davor, das alles ändert:
„Nach einer kurzen Pause wird das heiße Wasser mit dem programmierten Extraktionsdruck (max. 15 bar) durch den gemahlenen Kaffee im Siebträger gepresst.“
Max. Es ist eine Obergrenze. Was während der Extraktion tatsächlich anliegt, steht nirgends, und es hängt ohnehin nicht allein am Gerät: Mahlgrad, Kaffeemenge und Anpressdruck bestimmen, wie stark sich das Pulver dem Wasser widersetzt.
Severin schreibt dasselbe Wort in sein Datenblatt zum KA 5997 (Stand 11. Juni 2026), und zwar direkt in die Klammer hinter die Zahl:
„Leistungsstarke italienische ULKA-Pumpe (max. 20 bar) für perfekte Crema und ideale Aromaentfaltung“
Auf der Produktseite fällt die Klammer weg, dort heißt es, die Pumpe „erzeugt bis zu 20 bar Druck“. Gemeint ist beides Mal die Grenze. Es sind also nicht wir, die die beworbene Zahl zur Obergrenze erklären — die Hersteller tun es selbst, nur an der Stelle, die man später liest.
So sieht die Auskunftslage im ganzen Feld aus:
| Gerät | bar-Zahl | Wo sie steht | Am Gerät ablesbar? | Zu Amazon |
|---|---|---|---|---|
Gastroback 42616 | 15 | Merkmalsliste der Produktseite; Anleitung S. 7 („Druck: 15 bar“), S. 8 als „max. 15 bar“ | nein — keine Druckanzeige genannt | nur beim Hersteller |
Gastroback 42721 | 15 oder 20 | 15 auf der Produktseite, 20 zweimal in der Bedienungsanleitung | ja, Manometer — aber ohne Zielzahl | Preis auf Amazon prüfenAnzeige |
Severin KA 5997 | 20 | Beschreibungstext der Produktseite („bis zu 20 bar Druck“) und Datenblatt („max. 20 bar“) | nein — Datenfeld „Manometer: nein“ | Preis auf Amazon prüfenAnzeige |
Severin KA 5978 | keine | in keiner der beiden Quellen | nein — Datenfeld „Manometer: nein“ | nur beim Hersteller |
Bilder: Gastroback (Herstellerbild, Ausschnitt) · Gastroback (Herstellerbild) · Severin (Herstellerbild)
Und hier ist die Stelle, an der die Zahl bei allen vier Geräten nicht steht: in der technischen Datentabelle. Gastroback listet dort Artikelnummer, Stromversorgung, Leistung, Kabellänge, Gewicht, Abmessungen, Wassertank und Bohnentrichter — keinen Druck. Severin führt auf der Produktseite eine Feldliste mit gut zwanzig ja/nein-Einträgen, darunter „Be-Silent Funktion“, „Panarello“ und „Rutschfeste Gummifüße“ — ein Druckfeld ist nicht dabei. Auch die Tabelle „Wichtige Daten im Überblick“ im Datenblatt hat keine: Artikelnummer, Leistung, Farbe und Material, Kabellänge, Maße und Gewichte, Verpackungseinheit, EAN, automatische Abschaltung, Ein-/Aus-Schalter, Spannung. Die bar-Zahl lebt durchgängig in der Merkmalsliste und im Werbetext, also genau dort, wo Angaben nicht spaltenweise vergleichbar sein müssen.
Das einzige Gerät mit Druckanzeige — und sein Zielbereich ist eine Farbe
Der Piccolo Pro ist das einzige Gerät in diesem Vergleich, an dem sich der Druck überhaupt beobachten lässt. Gastroback bewirbt das ausdrücklich: „Druckmanometer — Kontrollfunktion für den optimalen Espresso“. Für die beiden Severin-Geräte beantwortet der Hersteller das Datenfeld „Manometer“ mit „nein“; für den 42616 nennt Gastroback weder in der Merkmalsliste noch auf 55 Anleitungsseiten eine Druckanzeige.
Die Anleitung des Piccolo Pro widmet dem Thema einen eigenen Abschnitt, „Relevanz des Extraktionsdrucks“. Er beginnt so:
„Die Druckanzeige zeigt den Extraktionsdruck an. Ideal ist ein Druck innerhalb des auf der Druckanzeige grau unterlegten ‚ESPRESSO RANGE‘.“
Der Zielbereich ist damit eine Farbfläche auf dem Zifferblatt. Eine Zahl nennt der Abschnitt nicht — kein Wert, keine Spanne, keine Einheit. Was er stattdessen nennt, ist ein Verfahren: Steht die Nadel unterhalb des Bereichs, wurde „mit unzureichendem Druck extrahiert“, das Ergebnis ist „wässrig, kalt und ohne Crema“; steht sie darüber, wurde „mit zu viel Druck extrahiert“, das Ergebnis ist „sehr dunkel und bitter“ mit „fleckiger und ungleichmäßiger Crema“. Die drei Gegenmaßnahmen, die Gastroback in beiden Richtungen anbietet, sind immer dieselben drei: Mahlgrad, Kaffeemenge und der Druck beim Pressen.
Die dritte Druckangabe, und die einzige, die du einstellst
In der Anleitung des 42616 steht eine Druckangabe, die keine bar-Zahl ist:
„Verwenden Sie dazu das mitgelieferte Presswerkzeug und versuchen Sie mit einem Anpressdruck von 12-13 kg eine glatte, ebeme Oberfläche zu erhalten.“
Zwölf bis dreizehn Kilogramm, aufgebracht mit der Hand auf ein Presswerkzeug. Das ist die einzige Druckangabe in allen ausgewerteten Unterlagen, die eine Handlungsanweisung ist — und die einzige, die der Nutzer verändern kann. Die Pumpenzahl steht fest, sobald das Gerät gekauft ist; der Anpressdruck ändert sich bei jedem Espresso.
Gastroback selbst stellt beide Größen nebeneinander. Zur Frage, wovon der Geschmack abhängt, schreibt die Piccolo-Pro-Anleitung:
„Der Kaffeegeschmack hängt von vielen Faktoren ab, wie z. B. der Art der Kaffeebohnen, dem Röstgrad, der Frische, der Grob- oder Feinheit des Mahlgrads, der Menge des gemahlenen Kaffees und dem ausgeübten Druck beim Pressen des Kaffees.“
Der Pumpendruck kommt in dieser Aufzählung nicht vor.
Das Gerät ohne bar-Zahl hat keine Pumpe
Der Severin KA 5978 nennt keinen Druckwert — nicht auf der Produktseite und nicht auf 104 Seiten Gebrauchsanweisung. Das ist keine Lücke im Datenblatt, sondern eine Folge der Bauart. Das Gerät ist ein Dampfdruckgerät: Nicht eine Pumpe erzeugt den Druck, sondern der Wasserbehälter selbst wird unter Druck gesetzt und mit einem Drehverschluss verschlossen. Severin beschreibt es an der Stelle, an der es sicherheitsrelevant wird:
„Sofort nach jeder Benutzung der Dampfdüse ein geeignetes Gefäß unter die Düse halten und den Kombischalter in die Position stellen. Der Wasserbehälter wird dadurch drucklos und die Dampfdüse wird freigeblasen.“
Auch die Schalterstellungen sind so beschrieben: „Pause: die Beheizung ist abgeschaltet, das Gerät steht noch unter Druck“ — „Aus: Das Gerät schaltet ab; der Druck wird abgebaut“. Ein Höchstdruck, mit dem sich werben ließe, existiert hier nicht, weil es kein Bauteil gibt, das einen erzeugt. Wer nach bar sucht, findet bei diesem Gerät zu Recht nichts.
Was du daraus machen kannst
Das folgt aus den Herstellerangaben, ist aber unsere Ableitung und keine Herstellerempfehlung — deshalb steht es getrennt:
- Die bar-Zahl nicht als Vergleichskriterium benutzen. Sie beschreibt eine Obergrenze der Pumpe. In unserem Feld liegen die beiden Geräte mit der niedrigeren beworbenen Zahl vorn, und das hat mit dem Druck nichts zu tun.
- Nach der Druckanzeige fragen, nicht nach dem Druck. Ob eine Zahl anliegt, weiß man erst mit einem Manometer. Genau ein Gerät in diesem Vergleich hat eines; bei den anderen dreien ist die beworbene Zahl vor und nach dem Kauf gleich unüberprüfbar.
- Bei Widersprüchen die Anleitung heranziehen — aber nachsehen, ob sie eine Datentabelle hat. Beim Piccolo Pro hat sie keine, und damit bleibt die Differenz zwischen 15 und 20 bar offen.
- Den Anpressdruck als die Größe behandeln, die tatsächlich etwas ändert. 12 bis 13 Kilogramm sind die einzige Druckangabe im Feld, die als Anweisung formuliert ist. Wer sie ignoriert, merkt es am Ergebnis; wer die Pumpenzahl ignoriert, merkt gar nichts.
- Kein Gerät wegen fehlender bar-Angabe ausschließen. Beim Dampfdruckgerät ist das Fehlen richtig. Bauart und Zahl gehören zusammen.
Welche vier Geräte wir geprüft haben, mit Note und vollständiger Matrix, steht in der Bestenliste der Espressomaschinen ohne Kapseln. Ob das Mahlwerk ins Gerät gehört oder auf die Arbeitsplatte daneben, klärt der Ratgeber zur Maschine ohne Mahlwerk; welche vier Dinge bei der ersten Maschine wirklich über das Ergebnis entscheiden, steht im Ratgeber für Einsteiger. Wie unterschiedlich dieselben Hersteller die Pflegefrage beantworten, zeigt der Ratgeber zum Entkalken.
Häufige Fragen
Wie viel bar braucht eine Espressomaschine?
Sind 20 bar besser als 15 bar?
Warum nennt die Datentabelle keinen Druck?
Wozu ist ein Manometer an der Espressomaschine gut?
Was ist der Anpressdruck und wie viel ist richtig?
Warum nennt der Severin KA 5978 überhaupt keine bar-Zahl?
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